Verbände drängen auf Neubewertung der Schwarzmarkt-Daten durch die GGL
Geschrieben von Iris Griffin · 30.10.2026

Verbände drängen auf Neubewertung der Schwarzmarkt-Daten durch die GGL

Der Auslöser: Ein Ermittlungsverfahren in Frankfurt
Die Deutsche Sportwettenverband (DSWV) und die Deutsche Online Casino Verband (DOCV) haben die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) aufgefordert, ihre bisherigen Berechnungen zum Umfang des Schwarzmarkts im Online-Glücksspiel zu überprüfen; Anlass bildet ein Strafverfahren vor der Staatsanwaltschaft Frankfurt, das ein mutmaßlich illegales Netzwerk mit einem Umsatz von rund 5,86 Milliarden Euro zwischen Juli 2021 und Ende 2023 aufdeckte und für das Jahr 2024 einen geschätzten Steuerausfall von 77,6 Millionen Euro ermittelte.
Die beiden Branchenverbände betonen, dass die Methodik hinter den offiziellen Schätzungen zum Anteil nicht lizenzierter Anbieter am Bruttospielertrag in Deutschland vor der gesetzlich vorgesehenen Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) einer genaueren Prüfung bedürfe; sie fordern zudem eine bundesweit einheitliche Lizenzierung für Online-Casino-Tischspiele sowie eine verstärkte Durchsetzung bestehender Regelungen.
Details zum Frankfurter Verfahren
Im Zuge der Ermittlungen wurden Transaktionsdaten ausgewertet, die den Zeitraum von Juli 2021 bis Ende 2023 abdecken und einen Gesamteinsatz von etwa 5,86 Milliarden Euro belegen; daraus ergab sich für das Jahr 2024 eine geschätzte Steuerschuld von 77,6 Millionen Euro, die dem Fiskus durch die nicht genehmigten Aktivitäten entgangen sein soll. Die beteiligten Verbände sehen in diesen Zahlen einen Hinweis darauf, dass die bisher von der GGL verwendeten Modelle zur Erfassung des Schwarzmarktanteils möglicherweise nicht alle relevanten Faktoren berücksichtigen.
Position der Verbände
DSWV und DOCV haben in einer gemeinsamen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass eine einheitliche Datengrundlage für die bevorstehende Evaluierung des GlüStV 2021 unverzichtbar sei; sie schlagen vor, die GGL möge die Methodik mit externen Experten abgleichen und gegebenenfalls anpassen, um ein realistisches Bild des Marktes zu erhalten. Gleichzeitig plädieren beide Organisationen für eine bundeseinheitliche Lizenzierung von Online-Casino-Tischspielen, da unterschiedliche Landesregelungen derzeit zu Vollzugsdefiziten führten und illegale Anbieter begünstigten.

Relevanz für die Evaluierung des GlüStV 2021
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 sieht eine regelmäßige Überprüfung seiner Wirkung vor; die Verbände argumentieren, dass die aktuellen Schwarzmarkt-Schätzungen als Grundlage für politische Entscheidungen dienen und daher auf einer belastbaren Datenbasis ruhen müssten. Die im Frankfurter Verfahren erhobenen Zahlen würden zeigen, dass der Anteil nicht regulierter Angebote höher liegen könnte als bisher angenommen, weshalb eine methodische Anpassung erforderlich sei, bevor im Herbst 2026 weitere Schritte diskutiert werden.
Beide Verbände verweisen darauf, dass stärkere Durchsetzungsmaßnahmen gegen illegale Plattformen notwendig seien, um den legalen Markt zu schützen und Steuerausfälle zu verringern; sie sehen die GGL in der Pflicht, bestehende Instrumente effektiver einzusetzen und gegebenenfalls neue Kooperationsmodelle mit Strafverfolgungsbehörden zu entwickeln.
Weitere Forderungen im Überblick
- Überarbeitung der Berechnungsmodelle für den Schwarzmarktanteil am Bruttospielertrag
- Bundesweit einheitliche Lizenzierung für Online-Casino-Tischspiele
- Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen GGL und Ermittlungsbehörden
- Transparente Veröffentlichung der Datengrundlagen vor der Evaluierung 2026
Ausblick auf kommende Schritte
Die GGL hat die Stellungnahme der Verbände zur Kenntnis genommen und prüft derzeit, ob eine Anpassung der bestehenden Methodik erforderlich ist; parallel laufen Vorbereitungen für die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung des GlüStV 2021, bei der die Erkenntnisse aus dem Frankfurter Verfahren Berücksichtigung finden sollen. Beobachter erwarten, dass weitere Gespräche zwischen Regulierungsbehörde und Branchenvertretern in den kommenden Monaten stattfinden werden.
Schlussfolgerung
Die gemeinsame Initiative von DSWV und DOCV zeigt, dass die Branche eine faktenbasierte Diskussion über den tatsächlichen Umfang des Schwarzmarkts anstrebt; die im Frankfurter Ermittlungsverfahren gewonnenen Daten bilden dabei einen zentralen Bezugspunkt für die anstehende Evaluierung des GlüStV 2021. Ob und in welcher Form die GGL ihre Berechnungen anpasst, wird sich in den nächsten Monaten zeigen, während die Forderungen nach einheitlichen Lizenzierungsverfahren und verbesserter Durchsetzung weiterhin auf der Agenda stehen.